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Serrig und der Weg der Jakobspilger


Serrig und der Weg der Jakobspilger

Von Dr. Walter Töpner

Im Mittelalter führten viele Wege der Jakobspilger von Köln über Trier nach Frankreich. Die Route eines wieder neu erschlossenen Fernwanderweges führt von Konz über Saarburg, Kastel nach Metz. Sie verbindet die Mosel und ein Stück der unteren Saar mit Frankreich. Unterwegs auf der Höhe bei Kastel liegt Serrig den heutigen Jakobspilgern praktisch zu Füßen.

Als die Kunde von der Entdeckung des Jakobsgrabes im nordspanischen Santiago de Compostela sich in ganz Europa wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, machten sich die Menschen  dorthin auf den Weg. Man nannte sie Jakobspilger und die Wege, die sie gingen, Jakobswege. Auf dem Weg hinter Trier folgten die Pilger den Römerstraßen, manchmal waren es auch Kaufmanns-, Kloster- oder sog. Reliquienstraßen.
Von Serrig oder der Jugendherberge in Saarburg geht es aufwärts durch den Wald zur Klause bei Kastel. Hier gibt es reizvolle Ausblicke ins Saartal. Der hübsche Weinort Serrig, den man wegen des hier beginnenden Weinbaus als das "Tor zum Saarwein" bezeichnet, liegt den Pilgern hier gleichsam zu Füßen. Die schon in keltischer Zeit bestehende Talsiedlung stand in enger geschichtlicher Beziehung zu der auf der gegenüberliegenden Saarseite liegenden befestigten Bergsiedlung (Kastel-Staadt). Auf einem Felssporn hat hier Karl Friedrich Schinkel 1834-38 eine Klause erbaut, die als eine der harmonischsten Verbindungen von Bauwerk und Landschaft gilt. Schon in keltisch-römischer Zeit und im Mittelalter und war dieser Felsen eine geweihte Stätte. Die geheimnisvollen Felskammern mit der Kreuzauffindungskapelle und eine Rundbogennische mit dem Hl. Grab wurden wahrscheinlich schon in der Kreuzfahrerzeit in Erinnerung an Jerusalem verehrt. Von der im 16. Jh. erbauten Kirche und Klausnerwohnung sind noch Teile vor allem im Untergeschoß erhalten.




Die Grabkapelle mit schwarzem Sarkophag wurde für den blinden König Johann von Böhmen errichtet, der 1346 in der Schlacht von Crécy gefallen war. Ihm begegnen die heutigen Pilger wieder im nahe gelegenen Freudenburg, wo König Johann von Böhmen 1337 eine stattliche Burg auf schmalem Felsen erbaute, die einen kühnen Grundriss aufweist, der sich an die natürlichen Gegebenheiten anpasst. Reste des Palas und der Wohngebäude stehen noch, 1646 wurde die Burg leider im Streit zwischen dem Trierer Erzbischof und der Trierer Abtei St. Maximin zerstört. An der Burg vorbei steigen die Pilger dann in das Tal des Leukbaches hinab und ziehen, das nächste große Etappenziel Metz vor Augen auf schnurgeradem Weg durch den Wald. Im abgelegenen Grenzgebiet von Kesslingen treffen sie auf die Jakobskapelle aus dem 15. Jh.. Leider sind aber viele Spuren der Jakobspilger im Grenzgebiet im Laufe der wechselvollen Geschichte mit Frankreich verloren gegangen.
Wenn die Jakobspilger heute die Klause von Kastel wieder verlassen, können sie in der nahe gelegenen St. Johannes Kapelle Kraft und Hoffnung für den weiten und gefährlichen Weg nach Spanien schöpfen. Immerhin liegt Santiago de Compostela von hier noch rund 2300 km entfernt. Der Anblick von Serrig wird ihnen aber auf ihrem langen Weg stets in schöner Erinnerung bleiben.

Aus: Walter Töpner, Wege der Jakobspilger - Band 2- Rheinland, Eifel, Lothringen, Burgund, Paulinus Verlag, 235 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Maximineracht 11c; 54295 Trier , ISBN 3-7902-1310-1, 19,80 €

Der 2008 im Paulinus Verlag Trier erschienene Band 3 aus der Reihe „Wege der Jakobspilger – Burgund, Berry, Limousin, Périgord, Landes, Pyrenäen von Dr. Walter Töpner beschreibt den Vézelay-Weg in Frankreich und füllt damit eine Lücke in der Beschreibungen von europäischen Jakobswegen zwischen Deutschland und Spanien. Zusammen mit Band 2 liegt damit erstmals ein geschlossen beschriebenes Wegkonzept von Deutschland (Köln-Trier-Saarburg) durch Frankreich bis zu dem Pyrenäenkloster Roncesvalles vor, das am Ausgangspunkt der spanischen Jakobswegroute, des Camino der Santiago liegt. Der Weg von Vézelay war im Mittelalter einer der vier Hauptwege der Jakobspilger in Frankreich. Trotz ihrer großen Popularität im Mittelalter zählt diese Pilgerstraße aber heute noch zu den eher weniger bekannten großen Jakobsrouten in Frankreich. Sie beginnt in Vézelay, einem berühmten Wallfahrtsort mit dem Grab der hl. Maria Magdalena. Walter Töpner hat sich in Deutschland und Frankreich auf die Suche nach Spuren der Jakobspilger gemacht und ist diese Route selbst zu Fuß gegangen. Der vorliegende Führer richtet sich nicht nur an Wanderer, sonder auch an Radfahrer.



Jakobsmuschel - Saargau    


Das Zeichen der Santiago-Pilger  war die Jakobsmuschel. Sie ist auch auf der Teilstrecke Trier-Perl nun häufig als Symbol zur Wegmarkierung zu sehen. Der Ursprung dieses Zeichen findet sich in einer Legende.






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Beitrag Kultur/Wandern/Region/30.10.2014 


Jakobsweg



Walter Töpner, Wege der Jakobspilger (Band 2) – Rheinland, Eifel, Lothringen, Burgund  mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Paulinus Verlag , Maximineracht 11c; 54295 Trier 2008, ISBN- 3-7902-1310-1



 
 

Walter Töpner, Wege der Jakobspilger (Band 3) – Burgund, Berry, Limousin, Périgord, Landes, Pyrenäen mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Paulinus Verlag , Maximineracht 11c; 54295 Trier 2008, ISBN- 978-3-7902-1308-9